Herzschlaufe Seetal Veloland-Route 599

Eschenbach - Ballwil - Hohenrein - Horben - Oberschongau - Sarmenstorf - Seengen - Lenzburg

Beschreibung

«Ostast» Über den Lindenberg von Eschenbach nach Lenzburg

Wer unbedarft mit dem Velo auf Eschenbach trifft, risikiert eine Spontanbekehrung zum Katholizismus, dermassen imposant ragt die Klosterkulisse aus den Obsthainen und Hügelzügen heraus. Hier hält die Seetalbahn, einstiges Enfant Terrible der SBB, heute aufgewertet und zur S-Bahn befördert. Halbstündlich kann man Lenzburg oder Luzern erreichen, wobei letzteres deutlich schneller geht. Man darf Eschenbach daher als rundum gut erschlossen bezeichnen, was dem Ort denn auch die Ehre gibt, Ausgangspunkt der Herzschlaufe Seetal zu sein. Herzroute-Ort war er ja schon länger.

Hat man in der nahen Vermietstation der Bäckerei & Café Brioche sein Velo gefasst, geht es los auf das Abenteuer Herzschlaufe. Wenige hundert Meter bergan, in «Räckebrunne» bei Bauer Rebsamen verzweigen sich die Routen: Ost nach Hohenrain Lenzburg, West nach Beromünster Lenzburg. Ab Räckebrunne tänzelt die Route über die liebreizende Landschaft, die in der letzten Eiszeit einfühlsam zurechtgeschmirgelt wurde. 

In mittlerer Distanz taucht eine Burganlage auf einer Anhöhe auf. Trefflich gelegen zieht das mittelalterliche Bauwerk Ross und Reiter magisch an, was den Herzschlaufefahrern nicht anders geht. Die Anlage aus dem 12. Jahrhundert ist bestens erhalten, beherbergt heute wissbegierige Studenten und bietet der Herzschlaufe einen famosen Ausblick über die Niederungen des Seetales und – sofern ausreichend entwolkt – den Pilatus.
Mit frischen Eindrücken durchtränkt erklimmt man die stetig anwachsende Höhe des hier sich aufbauenden Lindenbergs. Dieser säumt die beiden Gewässer Baldegger- und Hallwilersee und bietet eine formidable Sonnenterrasse für ein paar zufrieden grasende Kühe und Erholungssuchende.

Wir folgen diesem Hangzug und gelangen von Seenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Die Kapelle «Maria zum Schnee» liegt idyllisch an einem Tümpel und bietet sich für eine kleine Rast, ein Gebet oder die Kombination davon an. Wer eine Wurst dabei hat, soll sie hier noch nicht auspacken, denn es kommt gleich noch besser. Unweit vom klerikalen Hotspot folgt der weltliche Gegenpol. Die Ruine «Nünegg» lässt keinen Zweifel daran, dass Ritterspiele und andere Bubenstreiche hier früher sehr en vogue gewesen sein mussten. Die krude Festung flösst auch heute noch Furcht ein. Ihre ominösen neun Ecken lassen nach Verschwörungstheorien suchen, die sicherlich überliefert wären, wenn sie nicht so unglaublich geheim wären. So müssen wir besagte Wurst im Dunst oder Rauch vermuteter Legenden grillieren, wobei jedem eine noch fantasievollere Variante in den Sinn kommt.

Wem das alles zu rustikal oder zu rauchig sein sollte, kann sich dank dem E-Bike furchtlos der steilen Rampe anvertrauen, die der Burg entflieht, und dem Lindenberg bis zu seinem Höhepunkt beim Schloss Horben folgen. Die gefühlten 3000m hat man nicht erreicht, wohl aber 800, was der Hochebene das Attribut «Alpwirtschaft» eingetragen hat. Bündner und Walliser sind gebeten, das Kichern zu unterlassen und mit der nötigen Würde den Aargauer Berggefühlen zu huldigen. 

Wer glaubt, es ginge nun nur noch abwärts bis ins lauschige Lenzburg, hat sich getäuscht. Denn zuerst gilt es, die erklommene Höhe gebührend zu feiern. Das damit verbundene Hochgefühl setzt spätestens auf dem Sulzerberg ein, einer grossartigen Anhöhe über dem Seetal. Hier atmet man bereits die Nähe zum Himmel ein, pedalt verzückt der Hangkante entlang und kann sich kaum sattsehen an der frisch drapierten Hügel- und Bergkulisse des Seetales.

In Schongau werden die Batterien geladen, was man im verspielten «Schongiland» tun kann, einem Freizeitpark für Jung und Alt, der sich das verspielte Naturell beider Gruppen zunutze macht. Allfällige Schwindelgefühle können danach in der Kneippanlage des Erusbaches abgekühlt werden. Das unscheinbare Bächlein entwickelt sich parallel zur Herzschlaufe Seetal prächig und quert unseren Verlauf an prominenter Stelle wieder. 

In Sarmenstorf nähert man sich der hektischen Zivilisation, allerdings in einer noch erträglichen Dosis und verschwindet gleich wieder im nahen Wald. Wenig später steht man einer grossartigen Schlossanlage gegenüber, die man als Unadliger nur ehrführchtig visuell beschnuppert. Schloss Hilfikon prangt samt Stallungen und Gestüt an der beeindruckten Herzschlaufe. Erst die jähe Steigung hinauf zum Wald holt uns wieder auf den Boden der proletarischen Realität zurück.
Seengen und das Schloss Hallwyl sind zwar keine Geheimtipps mehr, aber ein Highlight auf der Herzschlaufe Seetal. Das Wasserschloss im Ausfluss des gleichnamigen Sees beeindruckt auch nüchterne Zeitgenossen und wäre sicherlich schon mehrfach an einen amerikanischen Milliardär verkauft und steinweise abgetragen worden, wenn wir Schweizer nicht so desinteressiert an Geld wären. So also kann man die Anlage, die mitten im Aarbach steht, ausgiebig geniessen und bewundern.

Die restlichen Kilometer sind dann die idyllische Abfahrt nach Lenzburg, dieser Perle mit der imposanten Burganlage auf der Felsnase weit über der Altstadt. Das Städtchen empfängt den Reisenden mit allen Annehmlichkeiten moderner Gastronomie und Hotellerie, sodass man am nächsten Tag neugierig und bestens ausgeruht den Westast unter die Räder nehmen kann.

Tipps

Akkuwechselstation auf der Strecke: 

Details

Start / Ziel Eschenbach / Lenzburg
Region
Aargau
Luzern / Zentralschweiz
Eignung ab 16 Jahren
Signalisation 599
Distanz 49km
Höhendifferenz 700m
Fahrzeit max. 4 h
Anforderung Mittel
E-Bike Touren

Downloads

Alle anzeigen
  1 - 12 / 187  

Copyright Fotos

Foto zu den Routen von SchweizMobil durch die Stiftung SchweizMobil zur Verfügung gestellt.
Die Copyrights der Fotos von SchweizMobil liegen bei den jeweiligen Fotografen.